Eine gespielte Schattengreifer-Trilogie

Stefan Gemmel liest im Rahmen des Fürther Lesefrühlings am HLG

Stefan Gemmel versteht es wie kein Zweiter montagmorgens nach der Zeitumstellung um 8 Uhr Fünft- und Sechstklässer auf Touren zu bringen. Die eigene Lesesozialisation durch die zupackende Deutschlehrerin, die ihn als Siebtklässer zwang, „Die Schatzinsel” zu lesen, lässt alle Beteiligten zumindest schmunzeln. Danach gibt es kein Halten mehr …

Schon tauchen die Schüler in die Geschichte von Simon ein, der es als einziges Kind auf dem Schiff des Schattengreifers vermocht hat, seinen Schatten zu behalten und damit der zwiegesichtigen Fantasy-Figur nicht bedingungslos ausgeliefert ist. Mit weiteren fünf Kindern aus verschiedenen historischen Epochen gilt es, etliche Abenteuer zu bestehen, denn die Reisegefährten vereint ein Wunsch: sie wollen zurück in ihre Vergangenheit – in ihr Leben. Jedoch müssen die Kinder am heimatlichen Ort, an dem sie einst vom Schattengreifer ihren Eltern abgeschwatzt worden waren, erst gemeinsam brenzlige Situationen meistern. So verbringen sie zusammen mit dem Karthager Basrar den Tag, an dem die Römer die Stadt in Schutt und Asche legten. Der Indianerjunge Moon wird in die Zeit der europäischen Kolonisation Nordamerikas zurückgebracht. Neferti, eine Verwandte der Nofretete, Salomon aus dem europäischen Mittelalter, die Asiatin Nin-Si und ein Aborigine-Junge tun dabei ihr Möglichstes und unterstützen Simon in seiner Mission. So bereisen die Kinder in der Trilogie alle fünf Kontinente und stellen eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Natürlich kann das dem Schattengreifer, der allezeit durch seine Rabenspione präsent ist, nicht gefallen. Obwohl er eine den Kindern zugewandte Seite aufscheinen lässt, bleibt es bis zum Show-down im dritten Band „Die Zeitenfestung” spannend.

Zudem können sich die Zuhörer Tipps für den Aufbau einer eigenen Erzählung und deren sprachliche Umsetzung mitnehmen und erfahren bildgewaltig von der Zusammenarbeit Gemmels mit der Illustratorin Silvia Christoph.

Gepackt von der Geschichte und ihrer menschlich nahen, mit Witz gespickten und zum Mitdenken anregenden, balladesken Erzählung waren die Schülerinnen und Schüler so in den Bann geschlagen, dass bereits nach der ersten Veranstaltung alle angebotenen Bände verkauft waren. Viele Schüler überzeugten jedoch ihre Eltern von einem Besuch in der Buchhandlung, der Autor bot sogar eine weitere Signierstunde im Rahmen des Fürther Lesefrühlings an.